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Kiwialarm #6: Happy New Year in Wellington

Wellington

Zum Zeitpunkt der Reiseplanung waren wir uns ziemlich sicher, dass wir Silvester nicht im neuseeländischen Hinterland verbringen wollen. Wir haben daher unsere Route so gelegt, den Jahreswechsel in Neuseelands Hauptstadt Wellington auf der Nordinsel Neuseelands zu verbringen. Wellington ist dabei mit 190.000 Einwohner eigentlich noch recht überschaubar und macht selbst Werbung für sich mit dem Slogan als kleinste Hauptstadt der Welt überzeugen zu können. Aber zuvor stand ja erstmal noch die Fahrt mit der Fähre von der Südinsel zur Nordinsel an.

Auf diese Überfahrt hatten wir uns schon sehr gefreut, da die in Summe 3 stündige Fahrt zu einem großen Teil durch die Soundlandschaft der Südinsel führt. Wir buchten die Fährverbindung für 14.00 Uhr und waren 12.00 Uhr vor Ort im Hafen von Picton. Dabei waren wir positiv angetan, wie gut sich der Ort bzw. speziell der Hafenbereich auf Familien eingestellt hat, die dort quasi noch Wartezeit rumbringen mussten, bevor es auf die Fähre gehen kann. So gab es (vor allem für kleinere Kinder) eine tolle kleine Eisenbahn für einen kleinen Obolus während die größeren Kinder sich auf einem schönen Abenteuerspielplatz austoben konnten.

Picton Hafen

Picton Hafen Spielplatz

Wir Eltern machten uns zwischenzeitlich auf die Suche nach der in vielen Reiseführern angepriesenen holländischen Bäckerei „Picton Village Bakkerij“, lokalisierten diese ohne Probleme und versorgten uns dort mit leckerem Proviant. So hatten wir keinerlei Probleme die Zeit bis zur Abfahrt der Fähre sehr entspannt zu überbrücken.

Die Fährfahrt als solche war sehr kurzweilig und führte durch eine tolle Kulisse, so dass wir die meiste Zeit bei herrlichem Sonnenschein auf dem Oberdeck verbrachten. Kaum in Wellington angekommen, nahmen wir in der Nähe des Hafens – keine 10 min mit dem Auto entfernt – unsere neue Unterkunft, diesmal ein Einfamilienhaus einer Familie aus Wellington, in Beschlag. Da der Tag uns soweit noch nicht wirklich ausgelastet hatte, fuhren wir am gleichen Abend auf eine kurze Stippvisite in die Innenstadt von Wellington. Der erste Eindruck hat uns dabei, ehrlich gesagt, noch nicht so wirklich umgehauen. Wellington hat zwar einen schönen Seglerhafen und eine schöne Promenade, aber für einen Freitagabend war dort eigentlich fast gar nichts los. Aber das sollte sich 2 Tage später – am Silvesterabend – in jedem Fall deutlich anders darstellen.

Wellington Marina

Wie auch immer, am nächsten Tag brachen wir als komplette Mannschaft auf und wagten uns erneut in die Innenstadt, weil wir – und vor allem die Kinder – ja auch mal shoppen gehen wollten. Wellington hat dabei eine auch eine relativ lange Einkaufsmeile (Lambton Quay) die wir dann auch entsprechend ausgiebig hoch- und runter gelaufen sind. Wir waren am Samstagvormittag wieder mal recht früh dran und die Geschäfte waren verhältnismäßig wenig besucht. Da sich aber nicht so richtig was zum Einkaufen finden ließ, nutzten wir zur Mittagszeit die Chance, mit der Cable Car, Neuseeland einziger Standseilbahn, direkt von der Mitte der Einkaufsmeile in die höheren Gefilde der Stadt zu fahren. Wellington liegt zu einem großen Teil mit seinen Stadtteilen auf höheren Lagen, so dass man nach der kurzen Fahrt mit dem Cable Car schon etliche Höhenmeter (um genau zu sein: 120 m) überbrückt und bei der Endhaltestelle im Stadtteil Kelburn als Belohnung einen tollen Ausblick über die Stadt hat. Unmittelbar neben der Endhaltestelle gibt es auch ein kleines nettes Café, welches wir für einen kleinen Lunch mit grandiosem Ausblick vereinnahmten.

Wellington Cable Car

Im Anschluss ging es zu Fuß in den unmittelbar in der Nachbarschaft liegenden botanischen Garten der Stadt. Hier kann man herrlich zu Fuß und in aller Ruhe wieder in Richtung downtown runterschlendern und nebenbei die sehr schöne Parkanlage genießen. Abends waren wir dann alle recht gut geschafft, so dass wir uns für den Sonntag auf ein ruhiges Museumsprogramm verständigten.

Wellington Botanischer Garten5

So haben wir es dann am Sonntag auch umgesetzt und sind in das sehr bekannte Nationalmuseum des Landes – Te Papa – gegangen. Die vollständige Bezeichnung des Museums lautet dabei korrekterweise „Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa“. Der Name entstammt aus der Sprache der Maori und bedeutet so viel wie „Der Ort der Schätze dieses Landes“. Dort haben wir gut 3 Stunden Zeit verbracht und die Kinder fanden insbesondere die Simulation eines Erdbebens in einer dort aufgestellten Hütte sehr interessant und waren nicht minder beeindruckt von dem ausgestellten Exemplar eines Koloss-Kalmars mit einem Gewicht von fast 500 Kilogramm. Eine weitere Etage widmete sich ausführlich der Kultur der Maori und der Geschichte der Besiedlung von Neuseeland.

Nach dieser Kulturoffensive chillten wir ein paar Stunden im nun deutlich belebteren Hafenbereich und stöberten in den kleinen netten Souvenirläden, die mit überwiegend selbst hergestellten Andenken aller Art um die Gunst der Käufer warben. Zum Abschluss unseres Ausflugs ging es dann noch mal auf einen Abstecher in die Cuba Street – einer relativ kurzen aber sehr gut besuchten Einkaufsstraße, die sich insbesondere durch ein paar alternative Läden und relativ viele nette Restaurants jeglicher Art auszeichnet. Angefangen von einer Pizza-Kette aus New York (Sal’s) bis hin zu indischen Restaurants und einem Irish Pub. Es war für alle was dabei.

Wellington Cuba Street1

Später am Abend – nach einer Stärkung zu Hause und ein paar Spielrunden mit den Kindern – zogen wir gegen 23.00 Uhr los, um den Jahreswechsel zu feiern. Die Stadt hatte für ihre Bewohner am Hafen eine große Bühne aufgebaut, auf der bereits seit 20.00 Uhr ein  musikalisches Programm geboten wurde. Nachdem wir einen Parkplatz ergattern konnten, tauchten wir ein in den Trubel und liessen uns von der Liveband in Feierlaune bringen – und das nebenbei gesagt ganz ohne die typischen Nebenwirkungen deutscher Silvester-Veranstaltungen: Alkohol und Knaller in Mengen. Denn Beides ist in Neuseeland in diesem Rahmen nicht erlaubt, was wir – gerade im Hinblick auf die Kinder – als sehr angenehm empfunden haben. Hier gab es ein zentrales und kurzes Feuerwerk, keine private Knallerei. Zumal es dann am Morgen danach nicht aussah, als ob gerade der nächste Bürgerkrieg ausgebrochen wäre, so wie es oft in deutschen Städten den Anschein erweckt – mal ganz abgesehen von dem sinnlosen Verballern von zig Millionen von Euro jedes Jahr. Aber das ist natürlich Ansichtssache.

Silvester Wellington

Uns hat es jedenfalls sehr gut gefallen und auch die überwiegend jungen Bewohner von Wellington sind uns dabei angenehm aufgefallen. Ähnlich wie auch schon zu Weihnachten wurden wir von vielen Neuseeländern – diesmal mit Happy New Year Wünschen statt Merry Christmas – bedacht. Wir hatten wirklich zu keiner Zeit das Gefühl, dass wir irgendwie in einer brenzligen Situation befinden könnten.

So schön unser Aufenthalt in Wellington auch war, unser Reiseplan sah vor, dass wir bereits am ersten Neujahrstag unseren Roadtrip fortsetzen wollten und so taten wir es dann auch und verabschiedeten uns von Neuseelands Hauptstadt, in der es uns gut gefallen hat, wir nach unseren 2 Tagen aber auch wieder Sehnsucht nach weniger Stadt und mehr neuseeländischer Natur und Landschaft verspürten.

Was haben wir gemacht:

Wie lange hat es gedauert und was hat es gekostet:

  • Fährfahrt von der Südinsel (Picton) zur Nordinsel (Wellington) – 688 NZD (ca. 400 €) für PKW mit Anhänger und 4 Erwachsenen und 3 Kindern – Dauer der Überfahrt 3 Stunden
  • Cable Car Tickets je Erwachsene einfache Fahrt 4 NZD (ca. 2,40 €) und für Kinder 2 NZD (ca. 1,20 €) – unbedingt zu empfehlen – Dauer der Fahrt nur wenige Minuten – aber der Ausblick von der Endstation ist wirklich toll und das Geld für die Fahrt wirklich sehr fair bemessen und es allemal wert
  • Besuch des Botanischer Garten – wie auch schon in Christchurch kostenlos – und man sollte ausreichend Zeit mitbringen – wir haben gut und gerne 3 Stunden zugebracht bis wir wieder zu Fuß in der Stadt bei der Einstiegsstation der Cable Car Bahn gewesen sind
  • Besuch des Nationalmuseums war ebenfalls kostenlos und man kann auch hier locker 2-3 Stunden (oder auch länger) zubringen

Was sollte man besser nicht tun:
Zu wenig Zeit mitbringen. Wir hätten gerne noch Zealandia besucht. Dies ist ein besonderes Biosphärenreservat, in dem die einheimische Vegetation und Tierwelt unter streng geschützter Bewachung und ohne Einwirkung von ursprünglich nicht heimischen Tieren sich wieder uneingeschränkt entwickeln kann. Man kann dort viele Vogelarten beobachten, die es anderswo in Neuseeland entweder gar nicht oder nur noch sehr eingeschränkt gibt.

Bilder: ©  Micha & Nadine

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